Anne Eden Projekt Befrei Dich

Befrei Dich

Sonntagabend halb 8 – Mein Magen ist leer, der Kühlschrank auch… Smartphone an, App auf. 45 Minuten später, es klingelt an der Tür, ein netter junger Mann überreicht mir gegen Geld etwas. Ich öffne die milchig weiße Plastiktüte, darin eine Styroporbox und eine kleine Plastikschale mit Aluminium umwickelt. Alles ganz normal. Völlig alltäglich in Deutschland und vielen anderen Ländern. Warum sich drüber aufregen, macht doch jeder so und es geht doch auch verdammt schnell und einfach… Einfach? Klar ist es einfacher sich Essen zu bestellen, bei dem man am Ende mehr Müll als Essen hat, aber ist es auch besser? Besser für die Natur, besser für die Meere, besser für Menschen, die in den Abbaugebieten für Aluminium und Co. leben und auch besser für Dich und mich? Wir kennen die Antwort, wir kennen sie alle, trotzdem machen wir gerne die Augen zu und den Mund auf für schnellen, unkomplizierten und einfachen Genuss.

So viel Plastik, so viel Müll, soviel, das doch eigentlich so unnötig wäre, wäre da nicht der Mensch, der in seinem blinden Konsum etwas Einzigartiges zerstört, unseren atemberaubenden, blauen, vielfältigen und von Leben gezeichneten Planeten, den nicht nur wir, sondern auch alle nach uns bewohnen, lieben und zeichnen wollen, alle Menschen, Tiere und Pflanzen, denen wir mit unserem Verhalten, unserer Gier wortwörtlich die Luft zum Atmen nehmen.

Wir leben so schnell, so rastlos, laut und unbedarft, dass To-Go ein längst normaler und gebräuchlicher Begriff ist. Kaffee, Burger, Smoothies, Sushi, schnell auf die Hand und weiter geht’s. Keine Zeit für Stillstand, Pause und Bewusstsein. Schon lange sind wir keine Bummler mehr, wir sind Raser, alles auf der Überholspur, nur immer schnell, schnell, keine Zeit und auch keine Lust die kostbaren Sekunden und Minuten für so etwas lapidares wie Essen zu verschwenden, Ausnahme das obligatorische Instagram-Bild.

Hier stehen wir also vor den reich gefüllten Supermarktregalen, reich gefüllt vor allem mit einem – Plastik. Was tun – Einen Baum pflanzen gegen das schlechte Gewissen? Ein Anfang aber doch nur ein kleiner Schritt in Richtung Menschlichkeit – Menschlichkeit für die, die neben uns leben, gesehen durch ein flimmerndes abendliches Fernsehbild. Die, die Leiden für unseren Konsum, unsere Gier nach Verpackungen und Sterilität, wo selbst Bananen verpackt sein müssen, als hätte die Natur der Frucht nicht bereits eine adäquate, wunderschöne Hülle gegeben. Hier, wo jeder achtlos die einmal verwendete Aldi-Tüte wegwirft um dann, beim erneuten Einkauf zu einer weiteren, Neuen zu greifen, den neu ist gut, neu bedeutet Wohlstand und Wohlstand heißt zufrieden sein. Zufrieden mit was? Mit Meeren auf denen Plastikinseln treiben, wo Wale an Tonnen von Müll zugrunde gehen? Zufrieden mit dem Starbucks-Becher, der symbolisiert, dass es mir egal ist, ob mein Kaffee das 4-fache eines „gewöhnlichen“ Kaffees kostet? Zufrieden damit 220kg Müll pro Kopf im Jahr zu produzieren? Dabei sollte uns nur eins überkommen – Traurigkeit, Traurigkeit darüber wie weit wir, ja wir alle, denn jeder von uns hat dazu beigetragen, es haben kommen lassen.

Wir wünschen uns weniger – weniger Müll, weniger Abfall, weniger Verschwendung und doch wollen wir nicht der Anfang sein, nicht der Erste, der sich vermeintlich einschränkt. Aber – Kleine Dinge können ein Großes ergeben – befrei dich und sei Du der Anfang!

 

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